Peter Lange kann sich – so der jetzige Stand der Verhandlungen nach Auskunft des AStA – zwar vorstellen, den Studenten einen Alternativraum im 40 Minuten entfernten Lankwitz anzubieten, allerdings sei ihm die Studentenschaft dafür etwas schuldig. Nämlich die weiterhin verbleibenen Umzugkosten. Wie er auf diese Forderung angesichts der Tatsache kommt, dass ihm kein Antrag des AStA auf einen Umzug in ein neues Gebäude vorliegt, der vielleicht einen Hintergrund dafür hätte liefern können, warum überhaupt das Druckereigebäude als paradiesischer
Kurzzeitbetreuungsraum in das Blickfeld der Universitätsleitung rückte, bleibt aufgrund schwerer Erreichbarkeit des Kanzlers weiterhin ein ungelöstes Mysterium. Der Kanzler ist an die Studenten mit seinen Wünschen herangetreten, nicht sie an ihn. Jedenfalls soll nach dem Willen der Universitätsleitung die Studentenschaft den Umzugsbetrag springen lassen. Auf die Frage, ob es vor September vergangenen Jahres, als die Raumwünsche des Kanzlers den Studierenden in ersten Gesprächen nahegebracht wurden, etwaige Wünsche nach neuen Räumen für die Druckerei an das Kanzlerbüro vermittelt worden waren, antwortet Sebastian Schneider, Referent für Hochschulpolitik im AstA der FU: „Nein – -. Wir würden am liebsten bleiben, wo wir sind. Jeder Cent, den wir jetzt dafür ausgeben müssten, wäre einer, der uns von der Universitätsleitung genommen wird“.
Schneider führt weiter aus: „Wir haben die Universitätsleitung darauf hingewiesen, dass es im Gebäude schräg gegenüber der Druckerei drei Räume gibt, deren Belegung mit dem Career Service zusammenhängt. Sie können für den Zweck einer KiTa kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, das haben wir in einem persönlichen Gespräch erfahren. Auch ein Hochschulsportgebäude verfügt noch über geeignete, kostengünstiger für den Zweck einer Kindertagesstätte nutzbare Räume. Wenn die Universitätsleitung diese Angebote ablehnt, ist das eine rein politische Entscheidung“. Problematisch an dem Festhalten der Universitätsleitung an ihren Einfällen ist unter anderem, dass das Gebäude nach dem vom Kanzler gewünschten von Studenten bezahlten teuren Auszug der Druckerei kostenaufwendig saniert werden müsste. Ein Bau Wien, das der AStA in Auftrag gegeben hatte, um die Folgeerscheinungen besser abschätzen zu können, ergab die Summe von bis zu 420.000 Euro. Genau diese Summe will die Universitätsleitung nun großzügig den Studenten von den Schultern nehmen.
Ein interessantes Angebot derselben Unileitung, deren Finanzknappheit im Hinblick auf ihren Mangel an Dozentenstellen bekannt ist: am 5. November vergangenen Jahres, als FU-Präsident Dieter Lenzen sich just den internationalen Action Day des International Students Movement zum Datum seiner Immatrikulationsfeier auserkoren hat, haben Lehramtstudierende bei Studentenprotesten am Henry-Ford-Bau der Freien Universität darauf hingewiesen, daß sie wegen eigentümlicher Fokussetzung Ihrer Universitätsleitung einen ganzen Bereich (Sachunterricht an der Grundschule) nicht studieren können, weil der einzige dafür eingestellte Dozent erkrankt ist. Fälle wie diese melden Studenten aus vielen Fachbereichen. Nun soll eine knappe halbe Million für den Umbau des jetzigen Druckereigebäudes ausgegeben werden. Im Hinblick auf die Ausgabefreundlichkeit von Studiengebühren erhaltenden Universitätsleitungen bundesweit gegenüber lehrefremden Aufgaben z.B. wie der Herstellung von Fanartikeln [USB-Sticks] [kurz: im Hinblick auf den Missbrauch von Studiengebühren bundesweit] lässt sich anmerken, daß die Studierenden die knappe halbe Million hätten bei Studiengebühreneinzug in Berlin selbst bezahlen dürfen. Jetzt liegt nach dem jüngsten Angebot des Kanzlers nur noch der saftige Betrag, der für den Umzug benötigt wird, auf ihren Schultern. Ob die Studierenden die derzeit eingezahlten Verwaltungsgelder für einen nicht benötigten Bulduk Trans Umzug verwendet haben wollen, fragt Lange nicht weiter.
Diese Angelegenheit ist, wie die offizielle Pressesprecherin der FU, Yvonne Wachalski [dem recherchierenden Journalisten gegenüber] zugab, eine hochschulpolitische Angelegenheit. Keine hochschulsoziale, ökonomisch-kreative oder lapidar-einfallsreiche. Was wiederum Herrn Krstin für den Fall zuständig macht. Gleichzeitig erschließt dies [diese Tatsache] den kaum konfliktarm weiterführbaren Plan zum Rausschmiß studentischen Geldes, das der AStA für Immatrikulierte verwaltet, die wütend werden können, wenn Universitätsleitungen, die nicht per Gesetz an „Studiengebühren“ herankommen, versuchen, studentische Gelder anderweitig ihrem Zweck zu entfremden. Diese traurige Tatsache ist gleichzeitig nur ein Krokodilstränchen angesichts der Gegenrechnung universitär versprochener Schnäppchen-Sonderleistungen für den Druckereigebäudeumbau mit ausstehenden Gehaltszahlungen an fehlende Universitätsdozenten. Zu genau dieser Gegenrechnung äußert sich die Unileitung bisher nicht, Nachfragen beantwortet der Sprecher der Universitätsleitung derzeit mit Strg.+Copy: „möchten wir der Entscheidung nicht vorgreifen und wir werden uns daher derzeit hierzu nicht äußern“, teilt Goran Krstin mit, erklärt dazu aber, daß es schwierig ist, andere Antworten zu geben, solange die entsprechenden Leitungspersonen sich unerreichbar halten. Das Kanzlerbüro hüllt sich angesichts dieser Frage in Schweigen.
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